Alles was das Herz begehrt

Der Wochenmarkt an der Saarbrücker Ludwigskirche ist seit vielen Jahren samstäglicher Treffpunkt für Genießer. Auswahl und Qualität sind groß, auch für Verbraucher, die Wert auf Bio-Produkte legen.

 

Die Ludwigskirche, die imposante Barockkirche in Alt-Saarbrücken, ist das Meisterwerk von Friedrich Joachim Stengel. Er begann 1762 mit dem Bau, der 1775 vollendet wurde. Neben dem Hamburger Michel und der Dresdener Frauenkirche gehört die Ludwigskirche zu den drei wichtigsten barocken Kirchengebäuden in Deutschland – und gehört zu den wichtigsten Wahrzeichen des Saarlandes. Seit Jahrzehnten treffen sich viele Saarländer samstags hier, um den Wochenmarkt zu besuchen. Nach dem Marktbesuch kann man im Schatten dieses großartigen Bauwerks vor dem Nachhauseweg auf dem Ludwigsplatz im „Feuchten Ludwig“, der eigentlich „Fürst Ludwig“ heißt, im Sonnenschein mit Freunden „klönen“. Seit Jahren ist die Händlerstruktur des Marktes um die Ludwigskirche so vielfältig, dass man für den Wochenendeinkauf fast alles findet, was man braucht. Von zahlreichen Gemüsesorten über Fisch, Wurst und Fleisch, Blumen und Obst bis hin zu Spezialitäten aus andern Ländern sowie Kuchen und Brot. Es mögen sicherlich so um die 25 Aussteller sein.

Verabredet habe ich mich an diesem Morgen mit Andreas Wagner. Er gestaltet die Internetauftritte des Marktes und hat mit dazu beigetragen, dass die Vielfalt heute so groß ist. Wir treffen uns am „Coffee-bike“ von Roland Diehl, der mit seinem mobilen Kaffeefahrrad auch häufig bei Veranstaltungen in der Landeshauptstadt auftritt, auf einen Kaffee im Sonnenschein. Andreas Wagner ist als Gastroberater tätig, zuvor war er selbst erfolgreich in der Gastronomie tätig. Er gehört zu denen, die vor etwa 30 Jahren das Nauwieser Viertel gastronomisch umkrempelten und Häuser wie „Die Nauwies“, „Die wilde 13“ und „Café Max“ etablierten. Wagner betrieb auch den Biergarten am Saarkran und organisierte das Fest mit, aus dem später das „Saarspektakel“ entstand. Heute ist er Unternehmensberater mit seiner Firma „www.der-gastroberater“. Mittlerweile macht er wie gesagt für den Markt die Werbekonzepte und die Internetauftritte, und er versucht, die Händlerstruktur zu optimieren. Auch qualitativ! Er kennt sich also hier bestens aus. „Der Markt macht wirklich Spaß. Ich freue mich die ganze Woche über, samstags hierherzukommen“, schwärmt er.

 

Ziegenkäse aus eigener Herstellung

Später schlendere ich gemütlich über den Markt. Beim Diplom-Biologen Mirko Kalkum, der in seinen Höhlen am Alt-Saarbrücker Reppersberg eine Bio-Edelpilzzucht betreibt, bleibe ich das erste Mal stehen. Ich kenne seine Pilze aus zahlreichen Restaurants, die auf Kalkums Qualität schwören. Auf dem Markt bietet er heute Limonenseitling, Samthaube, Kräuterseitling, Goldkäppchen sowie braune und weiße Buchenpilze an. Aus dem benachbarten Lothringen besuche ich einen Käsehändler, Michael Löffler. Er betreibt in der Nähe von Saint Avold einen Bauernhof. Dort stellt er auch seinen eigenen Ziegenkäse her – in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen: Natur, Kräuter, Kümmel, Basilikum, Pfeffer und Alt. Er erzählt: „Ich bin Holländer, wohne in Frankreich und verkaufe hier auf dem Markt meinen Käse. Auf den Wiesen hinter unserem Haus stehen etwa 50 Ziegen, wir machen täglich Käse. Der Saarbrücker Markt ist sehr wesentlich für mich, seit 25 Jahren komme ich hierher.“ Eine Kundin, die neben mir steht, mischt sich ein: „Mein Name ist Edeltraud Gentes. Ich komme jeden Samstag aus Saarlouis extra wegen dieses Käses her.“ Ein paar Meter weiter steht auch ein saarländischer Käseproduzent, „Hirztaler“ aus Illingen, bei dem ich auch gerne einkaufe. Sein „Hexenbergkäse“, ein Hartkäse aus Kuhmilch und überliefert nach original Schweizer Rezept, liegt häufiger in meinem Einkaufskorb. Schon des Käses wegen lohnt sich also eigentlich ein Besuch des Marktes. Aber auch bei Brot und Kuchen finden sich hier erlesene Produkte. Bei Stefan Anstadt etwa. Oder bei „La Tradition de mon Grand-Père“. Dies ist eine Bäckerei aus Saargemünd, die Finalist beim nationalen Wettbewerb „Der besten französischen Tradition: Baguette in Lothringen“ war. So heißt das wirklich! Weiter geht es zum Backparadies Kissel. Diese Bäckerei ist alle 14 Tage hier, da sie viele Märkte in der Pfalz und im Saarland bestückt. Ihr Stammhaus liegt in Reichenbach-Steegen, einem kleinen Dorf nördlich von Kaiserslautern. Der kluge Bäckermeister Karl-Heinz Carra weiß, dass die Kunden nicht eine solch lange Fahrt für ein Brot auf sich nehmen. Also kommt er zu den Kunden. Zum gekauften Käse gönne ich mir heute sein „Reichenbacher Musikantenbrot“. Dieses besteht aus 80 Prozent dunklem Roggenmehl und 20 Prozent dunklem Weizenmehl. Seinen Geschmack und seine unvergleichliche Krustenoberfläche verdankt es den beigemischten Gewürzen wie Koriander, Fenchel und Anis und dem selbst hergestellten Natursauerteig. Einmal die Woche verschickt die Bäckerei Kissel ihr Brot auch per Internetbestellung. Dieses ist dann in der Regel einen Tag später beim Kunden. Und das Sortiment kann sich sehen lassen. Das umfangreiche Angebot wird von saisonalen Spezialitäten bereichert. Im Frühjahr gibt es Dinkel-Vollkornbrot mit frischen Kräutern, im Sommer drei verschiedene Sorten Grillweißbrot, im Herbst Wintermandelbrot und um die Weihnachtszeit Gebäck, Stollen und vieles mehr.


Brot im Internet bestellen

Mein Gemüse kaufe ich schon seit Jahrzehnten bei Werling’s Bioland Gemüsehof. Sybille Werling ist eine ungemein kompetente Beraterin, sie weiß mittlerweile ganz genau was ich möchte und was nicht! Und die Biolandzertifizierung garantiert Qualität!

Bei der Metzgerei Maaß aus Schiffweiler heißt es anstehen, denn dort bildet sich meistens eine lange Schlange. Auch der Wintringer Hof mit seinen Hofprodukten aus Bliesransbach ist am Markt an der Ludwigskirche vertreten. Beim „Tiroler Bauernstandl“ ist traditionell auch immer viel Betrieb. Ich mag vor allem die Butter dort. Bei der Biotegga Ultima Spiaggia warten italienische Spezialitäten, von Olivenöl bis zur besonderen Salami. Bei Niki Delikatessen nehme ich mir noch Oliven mit. Ich schlendere weiter, doch für heute hab ich alles.

Nächste Woche gibt es andere Produkte, denn die Auswahl ist groß. Ich war heute nicht an allen Ständen. Da winkt mir ein Freund zu und ruft: „Komm, wir gehen noch zum ‚Feuchten Ludwig‘ was trinken. Ich muss dir was erzählen.“ Die Sonne scheint, warum also eigentlich nicht?



Rolf Klöckner ist Ehrenmitglied des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften. Entscheidend für die Ernennung waren seine langjährigen und erfolgreichen Bemühungen, Kindern das Kochen als grundlegende Kulturtechnik zu vermitteln.

 

Quelle: http://www.magazin-forum.de/news/kultur/alles-was-das-herz-begehrt